Kreativität entsteht oft, wenn wir einen Gang zurückschalten und uns die Zeit nehmen, die Welt um uns herum zu beobachten. An einem ruhigen Wochenende am See erlebte die Künstlerin Claudia Pollack einen Moment der Besinnung, der neue künstlerische Ideen, Gemälde und Konzepte für abstrakte Kunst hervorbrachte.
Ein Wochenende der Stille am See
Langsamkeit und Ruhe sind eine wichtige Basis der künstlerischen Arbeit
Ich liege im Alkoven. Mittagsschlaf. Ich tue das nur sehr selten. Nie, könnte man sagen. Draußen weht der Wind heftig bei heller Sonne. Wir stehen schon das zweite Wochenende in Folge mit dem Wohnmobil hier am See. Mit der Tür zur weiten Wiese, dahinter der Wald. Dieses Wochenende ist hier nicht so viel los. Um unser Wohnmobil herum, weit und breit nichts als Gras und Hecken.
Die Zeit des höchsten Sonnenstandes verbringen wir drinnen. Nach meinem koffeinfreien Kaffee plus Schokolade habe ich mich hier oben hingelegt, mich ein bisschen zusammengerollt – gemütlich. Ich lausche dem Wind und David, der Luk aus dem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ vorliest. Gekicher. Zwischendurch raschelt es, der Herd wird angeworfen, Kakao gekocht. Ich liebe es, wie die Kleinigkeiten dieser Geräusche mir ein heimeliges und wohliges Gefühl geben. So viel Frieden hier.

Wenn neue künstlerische Ideen aufkommen
Und mein Geist dämmert so dahin. Bilder tauchen in meinem Inneren auf. Ich habe eigentlich auch Lust, eine Blüte aus Stoff zu basteln. Ich denke an den Workshop, den ich halten will. Ob ich nochmal erklären sollte, warum ich jetzt Blumen mit den Frauen machen will. Als Nächstes sehe ich Bilder vor mir. Bilder, Formen, Farben, wie die eine aus der anderen wächst. Hände. Hände? Wo kommen sie her? Wohin fließen die Finger? Ich sehe auch Schmuckformen, die ich erfinden will. Fühle, wie alles, woran ich glaube, zusammenkommt. Zwischendurch der Gedanke, dass ich wirklich mindestens 100 Jahre in diesem Leben bleiben muss, um all mein künstlerisches Verlangen zu stillen.
Ich konstruiere in meinem Geist die einzelnen Teile des Schmucks, weiß genau, wie ich es machen kann, während mein Körper völlig still ist. Dann wieder die Bilder der Malereien. Aus Formen, Farben und symbolischen Bildwelten entstehen neue Ideen für zeitgenössische Gemälde und abstrakte Kunstwerke, und mir wird klar: Etwas Neues will kommen.

Neue Perspektiven im Leben werden oft von neuen künstlerischen Ideen begleitet
Ich beobachte ein kleines Gefühl von Widerstand, das sich aus der Idee speist, das „Andere“ hinter mir lassen zu müssen. Und ich schlage mir gedanklich mit der Hand an die Stirn. Wie schnell solche Überzeugungen sich hinstellen und meinen, die Regeln festlegen zu können. Der nächste Gedanke: Natürlich kann ich alles parallel tun. Kein Entweder-oder.
„Das Neue“ trägt ein Gefühl von Leichtigkeit und Humor, Ironie sogar und Paradox. Gleichzeitig fühle ich darin eine gewisse Erotik und Sinnlichkeit. Schon seit einer Weile trage ich folgenden Satz in mir: „Everything's so serious.“ (Alles ist so ernst.) In Englisch fühlt er sich für mich seltsamerweise echter an. Ich verstehe ihn wörtlich als auch in der Umkehrung seiner Bedeutung, weil ich mittlerweile spüre, dass alles sehr ernsthaft ist und im selben Moment absolut nichts ernst zu nehmen ist. Und während ich so liege, im Halbschlaf, kann ich dabei zusehen, wie das Paradox Triebe wachsen lässt. Ein Garten aus wundersamen Formen in Farben, unaufhörlich und äußerst lebendig. Und ich ahne, dass es meine Art sein wird, mir eine neue Perspektive zu erschließen. Eine Perspektive, auf die ich einfach Lust habe, mit der ich schon eine Zeit schwanger gehe und die nun in meine Welt geboren werden will – das Paradox. Es ist Zeit.
Erlaubnis ist ein Zauberwort – ein Fazit
Ich, Claudia Pollack, verbringe sehr viel Zeit damit, die Welt um mich herum, Details und Stimmungen und auch meine halbfertigen Bilder zu betrachten. Es sind genau diese Momente, Minuten oder Stunden, die den Unterschied in Bezug auf die Entwicklung meiner zeitgenössischen Gemälde machen.
Kreativität ist nichts, was erzwingbar ist. Ob beim Malen, bei Mixed-Media-Kunstwerken oder beim Schmuckdesign – kommt sie oft genau dann zu uns, wenn wir uns den Freiraum geben, nichts zu tun und nichts zu wollen. Wenn wir in uns hören, beobachten und dem kreativen Prozess, der ohnehin immer in uns am Wirken ist, vertrauen.